Kremsmüller realisiert Herzstück des Dampf-Wasserkreislaufs

Am Standort St. Johann in Tirol errichtet der international tätige Holzwerkstoffhersteller Egger eine neue Kesselanlage zur Erzeugung erneuerbarer Energie aus biogenen Brennstoffen. Kremsmüller ist bei diesem Kraftwerksprojekt mit dem Rohrleitungsbau der Balance-of-Plant-Anlage (BoP) beauftragt – und übernimmt damit eine zentrale Rolle im Zusammenspiel von Energieerzeugung, Verteilung und Nutzung.

Ziel des Projekts ist es, die Eigenenergieversorgung des Standorts weiter zu stärken und zusätzlich Prozess- und Fernwärme bereitzustellen. Kremsmüller plant, liefert und montiert dafür den gesamten Dampf‑Wasserkreislauf mit Fernwärmeauskopplung sowie die erforderlichen Kühlkreisläufe.

Energie gezielt verteilen – statt nur erzeugen

Während der Kessel die Energie erzeugt, sorgt der BoP‑Teil dafür, dass Dampf und Wärme bedarfsgerecht, sicher und verlustarm zu den jeweiligen Verbrauchern gelangen. Die von Kremsmüller realisierten Rohrleitungssysteme verbinden das Kesselhaus mit der Dampfturbine, weiteren Abnehmern und der Fernwärmeauskopplung – präzise abgestimmt auf die Anforderungen des Anlagenbetriebs.

Die enge Zusammenarbeit mit der Planungs- und Projektabteilung von Egger ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor in Bezug auf Funktionalität, Betriebssicherheit und langfristige Verfügbarkeit der Anlage.

Höchste Sorgfalt in der Vorfertigung

Ein Großteil der Rohrleitungen wird in der Kremsmüller‑Vorfertigung im Chemiepark Linz hergestellt. Hier zeigt sich der hohe Anspruch an Qualität, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit: Rohrleitungen werden exakt zusammengebaut, geschweißt und geprüft – inklusive zerstörungsfreier Prüfverfahren und lückenloser Werkstoffdokumentation.

Zum Einsatz kommen warmfeste Werkstoffe, wie sie im Kraftwerksbau üblich sind. Diese Materialien erfordern ein exakt abgestimmtes Zusammenspiel von Vorwärmen, Schweißen und Wärmebehandlung. Die Rohrleitungen mit teils sehr hohen Wandstärken werden örtlich und induktiv mit Heizmatten bei rund 600 °C wärmebehandelt. Dadurch werden Spannungen im Material reduziert und die erforderlichen mechanischen Eigenschaften sichergestellt.

Diese Vorgehensweise verlangt nicht nur Fachwissen, sondern auch diszipliniertes Arbeiten nach klar definierten Abläufen – ein entscheidender Beitrag zu einer langlebigen und zuverlässigen Anlage.

Montage unter anspruchsvollen Bedingungen

In St. Johann montiert das Kremsmüller‑Team die vorgefertigten Leitungen als zentrales Verbindungssystem zwischen Kessel, Dampfturbine und Verbrauchern. Rund 30 Monteur:innen arbeiten zu den Spitzenzeiten am Standort – koordiniert, sicherheitsbewusst und mit Blick auf die komplexen Schnittstellen im Kraftwerksumfeld.

Besonders sensibel ist die Montage der Frischdampfleitung. Der Anschluss an die Dampfturbine muss vollständig spannungsfrei erfolgen, da bereits kleinste Verspannungen die hochdrehende Maschine beeinträchtigen könnten. Um dies zu gewährleisten, werden nach der Druckprobe unter anderem die späteren Isoliergewichte simuliert und gemeinsam mit dem Turbinenhersteller überprüft. Erst nach Freigabe erfolgt der endgültige Anschluss.

Dieses Vorgehen zeigt, wie wichtig präzise Planung, saubere Umsetzung und partnerschaftliche Abstimmung zwischen allen Beteiligten sind.

Abdampfstück: Sonderbauteil mit großer Wirkung

Ein besonderes Bauteil der Anlage ist das sogenannte Abdampfstück. Es nimmt die Restenergie am Austritt der Dampfturbine auf und leitet sie kontrolliert über Notkühler bzw. den Kühlturm ab. Mit Nennweiten von DN 1600 bzw. DN 1200 zählt es zu den größten Komponenten im System.

Gefertigt wurde dieses Sonderbauteil in der Kremsmüller‑Werkstätte in Steinhaus, anschließend nach Tirol transportiert, vor Ort komplettiert und noch vor der Turbinenmontage eingebracht. Auch hier waren exakte Vorbereitung, vorausschauende Logistik und eingespielte Abläufe entscheidend.

Komplexe Schnittstellen, gemeinsame Lösungen

Eine der größten Herausforderungen im Projekt liegt in der Schnittstelle zwischen Rohrleitungs‑Detailplanung und Halterungsbau. Ziel ist es, technisch sichere und gleichzeitig montageeffiziente Lösungen zu finden – unter engem Zeitrahmen und laufender Abstimmung mit dem Kunden.

Die konstruktive Zusammenarbeit auf Augenhöhe ermöglicht es, Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und gemeinsam zu lösen – ein wesentlicher Beitrag zum Projekterfolg.

Beitrag zur nachhaltigen Industrie

Die neue Kesselanlage in St. Johann zeigt, wie sich industrielle Energieversorgung und Nachhaltigkeit sinnvoll verbinden lassen. Durch die Nutzung biogener Brennstoffe werden fossile CO₂‑Emissionen reduziert, gleichzeitig steigen Eigenstromversorgung, Prozesswärme und Fernwärmemengen.

Kremsmüller leistet mit der Umsetzung des Balance‑of‑Plant‑Teils einen entscheidenden Beitrag dazu – mit technischem Know‑how, Verantwortungsbewusstsein und dem klaren Anspruch, verlässliche Lösungen für eine zukunftsfähige Industrie zu realisieren.

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